Reformiert in Minsk
Oktober 2005
Von der ehemals blühenden reformierten Kirchenlandschaft des 16. und 17.Jahrhunderts – 200 Kirchen fand man damals in Weissrußland vor! – zeugen nur noch hinfällige Ruinen, manchmal umfunktionierte Kirchen und immer wieder die Spuren der alten Magnatenfamilie Radziwill. Gegenreformation, russische und deutsche Oppupation, Stalinismus und die jüngste Geschichte in Belarus haben der reformierten Tradition beträchtlich zugesetzt und die Gemeinde auf ein Minimum zusammenschrumpfen lassen..
Das heutige Belarus ist eine Diktatur. Presse- und Religionsfreiheit sind abgeschafft worden. Die offizielle Politik des Präsidenten Lukaschenko gibt sich freundlich gegenüber Kirche, wenn sie denn orthodox ist.. Evangelische Gemeinden genießen keinerlei rechtlichen Schutz. So ist die reformierte Gemeinde zwar registriert, darf aber offiziell nicht zu Versammlungen zusammenkommen. Die Gottesdienste sind illegal. Sie finden in einem als „privat“ deklarierten Holzhäuschen statt, in einem unauffälligen Stadtteil Minsks. In Eigenarbeit ist der Raum schlicht und schmucklos hergerichtet. Liedermappen dienen als Gesangbücher. Ein elektronisches Klavier steht zur Verfügung. Zum Gottesdienst versammeln sich ca. 30 Personen; zur Gemeinde halten sich ca. 60 Personen.

